Zu verschwundenen Wasserfällen und tanzenden Bären

Ein ganz besonderes Erlebnis war die Wanderung in der Fränkischen Schweiz am 26. Mai. Diese Route war von Bitta Schönhöfer ausgearbeitet worden, unterstützt durch Helmut Völk.

Der Kleinbus transportierte uns über Zapfendorf quer durch die Fränkische Alb bis nach Wüstenstein im Aufseßtal. Dort erzählte Bitta Schönhöfer uns einiges zu diesem Ort, der sich ursprünglich im Besitz der Herren von Aufseß befunden hatte. Dann wanderten wir bei angenehmem,  nicht zu warmem Wetter, entlang des Flüsschens Aufseß in einer ungemein reizvollen Landschaft. Von Wüstenstein bis Doos, also immerhin rd. 7 km, ist dieses tief in den Karstboden eingeschnittene Tal noch weitgehend naturbelassen. Es führt keine Fahrstraße hindurch. Die Aufseß mäandriert hier  durch einen  idyllischen Wiesengrund. An einer Unterstellhütte genehmigten  wir uns eine kurze Rast. Danach war bald die Kuchenmühle erreicht. Sie erfreut durch ein intaktes, laufendes  Mühlrad. Hier konnte uns die Wanderführerin wiederum einiges zu diesem Ort berichten. Weiter ging es das Tal in Fließrichtung abwärts. Schließlich erreichten wir bei Doos die Mündung der Aufseß in die Wiesent, den Hauptfluss der Fränkischen Schweiz. An dieser Stelle  gab es einst einen weithin bekannten Gasthof. Er ist  nunmehr aber in eine vom Deutschen Orden betriebene Einrichtung für Suchtkranke umgewidmet worden. Dennoch bietet er auch eine Einkehrmöglichkeit, die wir zu einer Rast nutzten.

Der Name rührt von „tosen“ her[i]. Hier befand sich einst ein Wasserfall, ein echtes, viel bestauntes  Naturwunder. Leider wurde dieser Wasserfall beseitigt, weil eine Tuffsteinbarriere im 19. Jhdt. kommerziell ausgebeutet worden ist. Tuff war und ist teils noch ein gefragtes Baumaterial.[ii]

Nach der Rast  galt es, von 355 am Wiesentufer auf 472 m auf dem „Bischofsberg“ auf kurze Distanz aufzusteigen.  Also ein ziemlich steiler Anstieg. Am Hang sahen wir den bizarren, torartigen  Sieghardtsfelsen. Auf der Höhe, einen Buchenwald durchquerend, erreichten wir ein grottenartiges Felsgebilde mit einem Kruxifix. Bei Joseph Heller [iii] wird dies als „Kuffix“ bezeichnet; näheres ist aber nicht zu erfahren.

Bald erreichten wir Köttweinsdorf. Dort war das nächste Ziel die „Weiße Marter“. Unterwegs trafen wir eine größere Menschengruppe, bestehend aus Eltern mit ihren Kindern im Kindergartenalter. Eifrig suchte die muntere Schar nach allerlei Dingen, die es zu entdecken galt. Zur Freude der Kinder war sogar jemand im Bärenkostüm dabei, der recht lustig zu tanzen verstand. Wir hatten unterdessen die mächtige „Weiße Marter“ erreicht. Dieses Bauwerk stammt aus dem Jahre 1769 und ist der heiligen Dreifaltigkeit gewidmet. Es soll sich um die Stiftung eines erkrankten, aber offenbar wohlhabenden Metzgermeisters aus Kronach handeln, der auf der Wallfahrt nach Gößweinstein wundersam geheilt worden ist. Einst konnte man von dieser Stelle aus die Türme der Basilika von Gößweinstein in rd. 4 km Entfernung sehen. Unser Helmut unterhielt sich noch angeregt mit der „Bärin“.

Dann aber hieß es: Aufbruch zum Endspurt. Steil war der Abstieg in den sog. Hammergraben, einem Trockental, der dann in das Ailsbachtal führt. Nun war es nicht mehr weit bis Oberailsfeld, unserem Tagesziel. Nun lagen 12,8 km Wanderstrecke bei beachtlichen 248 m Anstieg und 265 m Abstieg hinter uns. Krönender Abschluss war die gemütliche und stärkende Einkehr im Biergarten der Brauerei Held in Oberailsfeld. Es ist dies eine von noch vielen erhaltenen Brauereien in dieser Region mit zugehörigem Gasthaus nebst Biergarten.

Dann holte uns der Bus zur Heimfahrt. Helmut Völk dankte im Namen aller der Wanderführerin Bitta Schönhöfer für diese ausgezeichnet vorbereitete Wanderung.

hdb

[i] Ursprüngliche Schreibweise „Toos“; Joseph Heller: „Muggendorf“, Bamberg 1829. Auch der Nürnberger Stadtteil Doos soll einen ähnlichen Namensursprung haben.

[ii] Hinweis auf August Sieghardt: „Fränkische Schweiz“, Nürnberg 1971

[iii] „Muggendorf“, Bamberg 1829

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